Ein Liederabend, wie ich ihn liebe

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26. Jänner 2012 *** Ich zitiere eine Kritik, die in der Presse erschienen ist:
“Im Konzerthaus standen einen Abend lang die Gewissheit der Endlichkeit, das Sterben selbst oder zumindest die existenzielle Bedrohung im Zentrum: beim gescheit und eindringlich gebauten Programm „Zwischen Leben und Tod“, zusammengestellt und vorgetragen vom Tenor Christoph Prégardien und seinem Klavierpartner Michael Glees.
Von Bach bis Mahler reichte die Kette von Stimmungen, die gottlob ohne unterbrechenden Applaus aufeinander folgen durften: Schumanns Klage „Stirb, Lieb’ und Freud’“ um die ins Kloster gehende Liebste etwa erklang rührend schlicht und ohne ungewollt ironischen Beigeschmack als pure Herzensäußerung, Mozarts „Abendempfindung“ oder Brahms’ „Feldeinsamkeit“ zeigten, wie viel Ausdruck Prégardien in zarte Mezzavoce-Phrasen legen kann. Auch dramatischere Töne blieb er nicht schuldig und spürte dem expressiven Gehalt jener Vorschlagsfiguren nach, die Loewe in „Edward“ auf den wiederkehrenden Ausruf „Oh!“ ebenso differenziert einsetzt wie die immer bangeren Beschwörungen der Mutter.
Als „Freischütz“-Max stießen Prégardien und Glees allerdings an Grenzen: der Sänger, weil angeschliffene höhere Töne und gestresster Beiklang (nicht nur in diesem Werk) an die Tatsache erinnerten, dass auch an Stimmen die Jahre ihre Spuren hinterlassen; der Pianist, weil er es nicht verstand, den hintersinnigen Volkston, den Weber bei seiner Melodie anschlägt, mit Spannung aufzuladen. Sonst regierte auf Klugheit basierende Intensität, bei der innigen Lyrik der Lenski-Arie („Eugen Onegin“) wie in der mit passend grellen Tönen gemalten, schauerlichen Szenerie von Mahlers „Revelge“. Als Zugabe dessen „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ in sangbar flüssigem Tempo und unsentimentaler Attitüde: dankbarer Jubel.”

~ von andreasandel am 28. Januar 2012.

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