Ein außergewöhnliches Konzert

15. Jänner 2012 *** Gergiev am Pult der Wiener Philharmoniker mit einem rein russischen Programm, das ließ auf ein außergewöhnlich gutes Konzert hoffen. Und das wurde es auch. Allerdings aus unterschiedlichen Gründen.
Zu Beginn die Symphonie Classique von Prokofiev. Gergiev wählt für den ersten Satz klugerweise ein viel langsameres Tempo als viele andere, was so viele spannende Details hörbar machte, dass aus einem gefälligen Stück ein großes Stück Musik wurde. Wunderbar ausbalanciert die Mittelsätze, und ein quirlig-frisches Finale, in dem ohne jede Hetzerei wahrlich genug Drive an den Tag gelegt wurde.
Danach DER Gassenhauer unter den Klavierkonzerten, das b-Moll Konzert von Tschaikovsky. Daniil Trifonov, seines Zeichens Preisträger des Tschaikovsky-Wettbewerbs, spielte nicht nur höchst virtuos (sein technisches Können aus), sondern gestaltete musikalisch einen ganzen Roman, den er dem Publikum (auch sichtbar) vorlebte. Keine Ahnung, was aus ihm noch wird, aber das war schon sehr sehr gut. Doppelt schade, dass Solist und Orchester hörbar wenig gemeinsam geprobt haben …
Nach der Pause “Die Sage von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fevronia” von Rimsky-Korsakov: ein melodisch leicht eingängiges, sehr russisch-romantisches Werk, bei dem die Philharmoniker einmal mehr ihren Klang zur Geltung brachten.
Zum Abschluss das witzig-frische, jazzig angehauchte 1. Konzert für Orchester von Shchedrin, das durchaus einen noch stärkeren Jazz-Anhauch vertragen hätte.
